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#1 Greenwich von Storyteller of Midnight 06.03.2020 18:23

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In diesem Stadtbezirk findest du folgende wichtige Bauten:
Old Royal Naval College | Greenwich Park | Greenwich Observatory

#2 RE: Greenwich von Alarya 14.03.2020 12:19

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Ich gähnte herzlich, als ich in den Vorratsraum ging um nach etwas essbaren zu suchen. Azura hatte vor einer Woche zwei lebende Hühner gefunden, um die wir uns nun kümmerten, die uns mit Eier versorgen konnten. Heute würde ich nach weiteren Tieren suchen, die uns von nutzen sein könnten. Bei den Hühnern angekommen sammelte ich die drei Eier ein und kehrte zur Kantine der Old Royal Naval College um dort den Frühstück vorzubereiten.

#3 RE: Greenwich von Sam Rosier 23.03.2020 14:13

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· F I R S T P O S T ·

Die pechschwarze FN FAL über die Schulter geschwungen, trat ich zielsicher meinen Weg an, der mich zum Greenwich-Bezirk geführt hatte. Eine Gegend, die möglicherweise von Hybriden nur so lauern mochte. Doch hatte ich das Gefühl, dass dies schon beinahe überall der Fall war. Die heutigen 24 Stunden zu überleben, genau dies war mein Ziel. Genauso wie gestern und die Tage davor sowie die vergangenen Wochen lang. Welchen Tag haben wir heute überhaupt?, fragte ich mich, während ich aus dem Schutz vereinzelter Bäume auf die Wiese des Greenwich Parks trat. Die Zeit verflog so schnell - oder doch eher langsam? Mir fehlte jegliches Zeitgefühl. Es war eigenartig, nicht zu wissen, welcher Wochentag oder gar Monat herrschte. Damals bestand die Planung meiner bevorstehenden Reisen nur aus dem Überblicken von Feiertagen und Festlichkeiten. Und nun war es allein der Himmel, der meine natürliche Uhr war. Das Einzige, was zählte, war Tag und Nacht. Der Rest war überfällig.
Völlig in Gedanken versunken stapfte ich weiter, die Hände tief in die Taschen meiner blauen Sherpa-Jeansjacke vergraben. Womöglich ziemlich riskant, wenn man bedenkt, dass ich mich ohne jeglichen Versuches einer Tarnung auf einer freien Grasfläche aufhielt. Doch mein Kopf war zurzeit wo ganz anders. Hinzu kam der Hunger, der unerträglich in meinem Magen zu rumoren begann. Zögernd holte ich eine der Walnüsse, die ich noch vom letzten Jahr aufbewahrt hatte, aus meiner Jackentasche heraus. Ich brach sie auf und scharrte den essbaren Teil der Nuss heraus, auch wenn ich mich zunächst zurückgehalten hatte. Meinen Vorrat an Lebensmitteln aufzubrauchen, bereitete mir immer wieder aufs Neue ein mulmiges Gefühl. Doch ich war ständig in Bewegung und auf der Hut, mein Körper brauchte die Nährstoffe. Die Energie, die mich noch am Leben halten würde.
Während ich die letzten Reste aus der Schale der Walnuss herauskratzte, kam ein großes Gebäude in Sicht. "Das Old Royal Naval College", murmelte ich mit einem halbherzigen Lächeln auf den Lippen und blieb vor dem imposanten Gebäude stehen. Ob ich hier etwas Essbares finden würde, dessen war ich mir nicht sicher. Doch eigentlich war es die Suche nach einigen nützlichen Materialien, die mich hierher brachte. Ein flüchtiger Blick über das Gelände, schon verschwand ich durch eines der zersprungenen Fenster.

#4 RE: Greenwich von Alarya 23.03.2020 14:57

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Inzwischen kochten drei Spiegeleier in der Pfanne vor mir, während ich etwas abwesend umhersummte. Als sie dann fertig waren, wollte ich in die oberen Stockwerke gehen um Azura und Cailan zu wecken, doch auf einmal hörte ich das wilde Gegacker der Hühner. Alarmiert, dass irgendein fremder Hybrid sich an unseren Tieren vergriff rannte ich in den Vorratsraum, wo ich mir einen Wolf vorfand, der gerade eins unserer Hühner geschnappt hatte und davon sprang. "Kommt nicht in Frage!", rief ich wütend und hetzte dem Wolf nach. Ich nahm an, dass ein normaler Mensch wohl kaum einen solch flinken Tier hätte einfangen können, doch meine Gene waren so verändert, das ich den Räuber blitzschnell erfasst hatte und ihm das noch immer gackernde Vogel entriss. Dabei war ich so auf die Tiere konzentriert, dass ich nicht mehr auf meine Umgebung achtete, über einen verwesenden Tierkörper stolperte und hart gegen eine Wand knallte. Mit der einen Hand hielt ich weiterhin das Huhn fest und mit der anderen rieb ich mir den Kopf. Als ich dann aufsah, sah ich, wie ein zweiter Wolf, der jedoch aggressiver zu sein schien auf mich zusprang und nach mir oder das Huhn schnappte. Ich schlug ihn mit dem Fuss nach hinten, doch schon setzte sich der zweite zum Angriff. Die Wölfe schienen zwar nicht ausgewachsen zu sein, trotzdem stellen sie eine Gefahr für mich da, vor allem, weil ich keine Waffe in der Nähe hatte.

#5 RE: Greenwich von Sam Rosier 24.03.2020 10:49

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Mit dem Sprung landete ich in irgendeinem der Nebenräume des Old Royal Naval Colleges. Schief hängende, altmodische Barockbilder schmückten die Wände, während die Tapete an einigen Stellen schon abblätterte. Meine Schuhe ließen klackernde Laute auf dem dunklen Parkettboden ertönen, während ich mich einer Kommode näherte, dessen Schubladen halb aus den Schienen gebrochen waren. Zettelchen, Notizbücher und Unmengen an anderem Papierkram war darin zu finden. Ich wühlte die Schubladenfächer durch, in der Hoffnung irgendetwas Nützliches finden zu können, doch schien es derartiges nicht zu geben. Seufzend schaute ich wieder auf und erblickte plötzlich einen Mann mittleren Alters vor mir. Kaum merklich zuckte ich kurz zusammen, ehe sich jedoch ein breites Grinsen über meine Lippen zog. "Na hallo", brummte ich, als ich merkte, dass es mein eigenes Bild in den halb zerbrochenen Scherben eines Spiegels war. Ich strich mir durchs dunkelbraune Haar, ehe ich mein Gesicht näher an den Spiegel hielt. Dunkle Ringe zierten den Bereich unter meinen Augen. Ich sollte wirklich mehr schlafen, dachte ich belustigt schnaubend. Der Witz daran war einfach, dass dies zurzeit wohl kaum möglich wäre. Gefahr konnte nicht nur aus der Richtung der Hybriden lauern, sondern ebenso aus der der Menschen. Wer weiß, wie verzweifelt die Menschen aus Hunger und Not geworden waren. Sie waren sicherlich bereit, sich sogar gegen ihre eigene Art zu stellen.
Gerade als ich mich vom Spiegel abwenden wollte, drang etwas mehr Sonnenlicht aus den zersprungenen Fenstern herein, die in einem hinteren Teil des Raumes etwas aufblitzen ließ, worauf ich aufmerksam wurde. Ich drehte mich um und ging zur anderen Ecke des Raumes, wo ich zwischen einigem Dreck etwas zu greifen bekam. Ein Schraubenzieher. Schmunzelnd steckte ich diesen ein. Dieser würde sicherlich noch seinen Nutzen haben.
Plötzlich hörte ich lautes Gackern, nicht weit von hier. Hühner? Ich setzte einen fragenden Blick auf und näherte mich dem Ausgang des Zimmers. Ein Rufen, dessen Worte ich nicht richtig herausfiltern konnte, folgte kurz darauf. Ich hielt kurz inne, ehe ich die Türklinke herunterdrückte und den Raum verließ. Die Töne wurden lauter, während ich mich diesen näherte, und immer mehr ähnelten die Klänge einem feindseligen Aufeinandertreffen. Zu meiner Überraschung glaubte ich sogar Knurren zu hören, das dem eines Hundes oder Wolfes glichen mochte.
Doch an der nächsten Ecke bekam ich das Geschehen zu sehen. Zwei kampflustige Vierbeiner waren zu entdecken, ihre Lefzen hochgezogen, und kurz darauf auch eine Frau [Alarya]. Mit ihrer bleichen Haut und den weißblonden Haaren glich sie beinahe einer Elfe. Doch lange lag meine Aufmerksamkeit nicht auf ihr, als ich sah, dass einer der Wölfe zu einem Angriff auf die junge Frau ansetzte. Schnell zückte ich meine FN FAL, die ich über die Schulter geschwungen hatte, und setzte zum Schuss an. Doch nicht mit der Absicht jemanden zu treffen. Ich ließ einen lauten Knall durch den Raum hallen, dessen Munition nur eine Wand traf, in der Hoffnung den Wölfen einen Schreck einjagen zu können.

#6 RE: Greenwich von Alarya 24.03.2020 12:44

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Erschrocken fuhr ich zusammen als ich den Schuss hörte. Den Wölfen erging es gleich, denn sie erstarrten für einen kurzen Moment und sahen sich suchend um, was ich nun auch tat. Als mein Blick an einen Mann, ich schätzte ihn um die Dreissig, hängen blieb. Begann mein Herz noch wilder zu pochen, da ich es schon aus dieser Distanz riechen konnte. Ein Mensch! Ich sass immer noch am Boden mit dem Rücken zur Wand, doch die Aufmerksamkeit der Wölfe lag ganz beim Fremden. Der Klang des Schusses hatte sie nur noch aggressiver gemacht und so rannten sie nun auf den braunhaarigen Mann zu mit leicht schäumenden Mündern. Sie hatten auch noch die Tollwut! Nun stand ich schnell auf, sperrte das Huhn in den nächsten Schrank den ich finden konnte und rannte in die Küche. Zwar fürchtete ich den Mensch mehr, als die zwei Raubtiere und doch wollte ich die drei nicht alleine lassen. Ausgerüstet mit zwei Fleischmessern kehrte ich in den Gang, wo ich die drei immer noch vorfand. Für sie war ich höchstens zwei Minuten verschwunden. Jedoch griff ich nicht ein, sondern sprang stattdessen mit Leichtigkeit auf eine Spindreihe, damit ich das Geschehen von oben beobachten konnte. Der eine Wolf hatte es geschafft sich hinter den Mann zu positionieren, während sich der andere vor dem Fremden befand. Trotz dieser eher gefährlichen Situation wartete ich ab bis zum letzten Moment.

#7 RE: Greenwich von Sam Rosier 24.03.2020 15:13

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Einen kurzen Moment lang schien es als würde die Zeit stillstehen. Der Schuss hielt die Wölfe von ihrem Angriff ab, nachdem die Raubtiere und ebenso die junge Frau auf mich aufmerksam geworden waren. Doch statt einer raschen Flucht, die ich von den Vierbeinern erwartet hätte, waren sie nun entschlossen, sich mit ihren schäumenden Mündern mir zuzuwenden. "Verdammt", fluchte ich, einen Schritt zurück machend, als die Wölfe auf mich zusprangen. Die junge Frau verlor ich wieder aus den Augen, stattdessen zielte ich mit meiner pechschwarzen Schusswaffe auf die Wölfe, bereit abzudrücken. Doch die Situation nahm ihren Lauf zu schnell. Schon hatten mich die beiden tollwütigen Fleischfresser umzingelt. Ihre scharfkantigen Reißzähne blitzten auf, in ihren Augen glänzte die Mordlust. Beide ohne Halt vor einem Angriff. "Zwei gegen einen ist doch nicht fair, Jungs", meinte ich und wandte mich mehrmals herum, um beide Wölfe möglichst gut im Auge zu behalten. Mir war bewusst, dass ich nicht hätte schießen können. Jedenfalls nicht, wenn meine Waffe nicht beide gleichzeitig eliminieren würde - erschieße ich den einen, würde der zweite auf mich losgehen. Und dennoch fühlte ich mich mit der FAL fest in der Hand am sichersten. Doch in der jetzigen Position hatten die Raubtiere die Oberhand. Ich bereute es immer mehr, den wilden Vierbeinern nicht gleich eine Kugel verpasst zu haben. Da bin ich einmal großzügig.
Plötzlich setzte der vordere Wolf zum Sprung an. Instinktiv zog ich die FAL wieder zum Einsatz, doch plötzlich wurde sie mir gewaltsam aus der Hand gerissen. "Scheiße!" Das große Tier sprang zwar an mir vorbei und verschonte meine Haut vor seinen Reißzähnen, doch schlossen sich dessen kräftige Kiefer um meine Schusswaffe. Ich sah wie der Wolf sich einige Schritte weiter entfernte und die Waffe mit tiefem Knurren zu Boden fallen ließ. "He! Mach sie nur nicht kaputt, Kumpel."
Im selben Moment hätte ich mich selber dafür zwicken können, die Klappe wieder aufgemacht zu haben, denn der Vierbeiner wirbelte direkt herum und sprang direkt auf mich zu.

#8 RE: Greenwich von Alarya 24.03.2020 15:31

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Wie es aussah, hatte der Mann doch etwas Schwierigkeiten allein gegen die zwei Wölfe zu kämpfen, so entschloss ich mich im richtigen Moment vom Spind zu springen um ihn zur Hilfe zu eilen. Trotzdem wartete ich, selbst nachdem ihm die Wölfe entwaffnet hatten. Wegen meines blinden Auges wagte ich es nicht eins meiner Fleischmesser zu werfen, da ich ansonsten ganz verfehlte oder den Mensch erwischte. Wäre dies denn nicht auch eine Option? Ich schüttelte zu dieser Frage den Kopf und redete mir selbst ein, ich bin nicht wie die anderen Hybride. Als nun beide Wölfe gleichzeitig von rechts und links den Fremden angriffen, sprang ich in hohen Bogen vom metallenen Kasten und landete direkt vor dem Mann. Ich positionierte mich in wenigen Sekunden so, dass mir die Raubtiere quasi ins Messer sprangen. Dem einen schaffte ich es direkt ins Brustkorb zu stechen, doch der andere erwischte dafür meine linke Hand und biss fest zu. Durch die Wucht rissen mich beide nach hinten, wobei mir ein hoher Schrei entfuhr.

#9 RE: Greenwich von Sam Rosier 25.03.2020 06:10

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Jeder klägliche Versuch, sich auf irgendeine Weise zu wehren, wäre nur zu spät gekommen. Ich blickte praktisch meinem Ende ins Auge und dabei hätte ich niemals Wölfe in Betracht gezogen, die daran beteiligt sein würden.
Doch plötzlich sprang jemand mit einer ruckartigen Bewegung vor mich. Weißblondes Haar erschien. Die junge Frau, die ich zuvor aus den Augen verloren hatte, war zurück. Und ihre Bewegungen waren ungewöhnlich schnell. Doch alles geschah viel zu rasch, um groß darüber nachdenken zu können. Ich sah nur, wie der rechte Wolf nicht einmal einen Laut von sich geben konnte, ehe er durch einen Stich in die Brust schlaff zu Boden fiel. Und im nächsten Moment ertönte ein hoher Aufschrei. Die Reißzähne des anderen Vierbeiners hatten sich in die Hand der Frau gebohrt, während sie unter dem Gewicht der Raubtiere zu Boden gerissen wurde. Instinktiv griff ich in meine Jackentasche, nachdem mir im letzten Moment etwas in den Sinn gekommen war. Binnen weniger Sekunden zückte ich den Schraubenzieher, den ich zuvor gefunden hatte, und stach reflexartig in das Fleisch des Wolfes oberhalb des Schulterblatts ein. Ein grässliches Jaulen erklang, das vor Schmerz nur so trotzte. Ohne zu zögern, zog ich den Schraubenzieher, der im Momemt meine einzige scharfe Waffe bildete, mit aller Kraft wieder heraus, nur um gleich darauf ein weiteres Mal einzustechen. Das Jaulen des Tiers verstummte und rang entkräftet nach Luft, ehe es schlaff zu Boden fiel. Ein dumpfer Ton erklang beim Aufprall. Erschöpft keuchend befreite ich das Werkzeug aus dem Fleisch des Wolfes und stützte meine Hände auf die Knie. "Gottverdammt...und ich wollte früher einen Hund haben", scherzte ich, nachdem mein Körper wieder zu Atem gekommen war und das Adrenalin in meinen Adern allmählich zurückging. Mein Blick wandte sich von den Raubtieren, die ihr letztes Leben aushauchten, ab und schweifte zu der jungen Frau. "Alles okay bei dir?"

#10 RE: Greenwich von Alarya 25.03.2020 08:26

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Während sich der Fremde mit dem Wolf beschäftigte, war ich zur Wand gerutscht und hielt weiterhin meinen Fleischmesser fest, für den Fall, dass es der Mann nicht schaffen würde. Als dieser jedoch das Raubtier mit einem Schraubenzieher erledigte, verkrampfte sich mein Griff umso mehr um meine Waffe, da mir dieser Mensch gezeigt hatte, dass er in der Lage war selbst mit einem einfachen Werkzeug jemanden umbringen zu können. Ich atmete stossweise da meine linke Hand immer noch grausam schmerzte vom Biss des tollwütigen Tieres. Zwar wusste ich viel über diese Welt, da ich es im Labor gelernt hatte, doch was passieren würde, wenn ein tollwütiges Tier einen verletzt wusste ich nicht genau. Dies war jedoch mein letzter Gedanke, als sich der Fremde zu mir wandte. Angsterfüllt drückte ich mich weiter an die Wand und sah ich mit meinem gesunden Auge an. Meine langen Haare verdeckte das Blinde und verbargen auch so meine feinen Narben, die meine rechte Gesichtshälfte zierten. Ob er wusste, dass ich ein Hybrid war? Wir sahen uns ja wirklich ähnlich vom äusseren Aspekt her und doch unterschied uns so viel. Sicherheitshalber behielt ich den Fleischmesser in meiner unverletzten Hand und nickte dann leicht. "Ja, ich glaube schon", murmelte ich leise, sah dann kurz zur verletzten Hand und dann wieder zu ihm. "Wieso hast du mich gerettet?", fragte ich den Mann leise und sah diesen aufmerksam an. Falls dieser eine falsche Bewegung machen würde, würde ich nicht zögern meine Waffe zu gebrauchen, auch wenn ich keinen Hass gegen Menschen hegte. Nur meine Angst vor ihnen liess mich in Alarmbereitschaft sein.

#11 RE: Greenwich von Sam Rosier 25.03.2020 12:50

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Die junge Frau, dessen eines Auge durch das helle Haar verdeckt war, strahlte Furcht aus, während sie sich mit dem Rücken zur Wand drückte, ihr Fleischmesser dabei fest in der Hand. Ich würde nicht leugnen, dass mein Misstrauen fest bestand. Angsterfülltes Verhalten hat einigen meiner Feinde schon öfters einen Nutzen eingebracht, sobald man begonneb hatte, Mitleid und Sorge zu empfinden. Spielt sie es nur?, fragte sich meine innere Stimme immer wieder erneut. Auch, wenn mich meine offene Art nicht verlassen hatte, so war es nach all den Jahren schwierig, ehrliches Vertrauen beizubehalten. So hielt ich Abstand, trotz meines leichten Lächelns auf den Lippen. Vor allem, weil die Frau schließlich noch immer eine ziemlich scharfe Waffe in einer ihrer Hände hielt.
Meine Aufmerksamkeit schweifte kurz zu ihrer verletzten Hand, als sie zuversichtliche Worte murmelte. Innerlich machte ich mir Sorgen um die Bisswunde. Sollte der, nun glücklicherweise tote, Wolf tatsächlich Tollwut gehabt haben, wäre dies keine besonders gute Nachricht. Doch ließ ich den Gedankengang zunächst fallen und sprach es ebenso nicht weiter an, um keine Beunruhigung entstehen zu lassen.
"Dir könnte ich wohl dieselbe Frage stellen, was?", grinste ich, als die junge Frau mich für den Grund der geradeso gemeisterten Rettung fragte. Die Szene, wie plötzlich die junge Frau vor mich gesprungen war, spielte sich erneut in meinem Kopf ab. Unnatürlich schnell. Es schien, als wäre alles innerhalb eines Wimpernschlags geschehen. Hatte ich es mir nur eingebildet? Die Situation hatte schließlich schon von Grund auf rasch ihren Lauf genommen. Gut möglich, dass es mein Gehirn war, das mir hier einen Streich spielte. Doch auch bestand die Möglichkeit, keinen reinen Menschen vor meinen Augen zu haben. Auch, wenn die junge Frau äußerlich gar nicht von meiner Spezies abwich. Doch genau dies war der Punkt. Hybriden und Menschen unterscheideten sich, soweit ich wusste, primär und hauptsächlich nur in den Fähigkeiten. Doch ob Mensch oder Hybrid, ich würde auf jeden Fall Vorsicht walten.
"Nennen wir es einen natürlichen Instinkt", antwortete ich schlussendlich auf ihre Frage. Meine Aufmerksamkeit schweifte kurz, und ohne es selbst zu bemerken, zu meiner FN FAL rüber, die einige Schritte weiter entfernt auf dem Boden lag. Schnell wandte ich den Blick jedoch wieder der weißblonden Frau zu, während ich den blutbefleckten Schraubenzieher abwischte und diesen wieder in meiner Jackentasche verschwinden ließ. "Erlaube mir, mich dir vorzustellen", meinte ich im vornehmen, aber scherzhaften, Ton. "Sam Rosier." Ich hatte gehofft, dass dies der erste Schritt wäre, die Anspannung etwas lockern zu können, trotz des Misstrauens, der noch immer herrschte. Und ich meine, was sprach schon gegen eine kleine Bekanntmachung. In dieser zerstörten und zerbrochenen Welt war ein Name nichts weiter als ein unbedeutender Deckmantel.

#12 RE: Greenwich von Alarya 25.03.2020 20:41

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Mir war es nicht entgangen, wie der Mann, der sich später als Sam Rosier vorstellte, zu seiner Waffe geblickt hatte. Dies beunruhigte mich nur noch mehr und der Griff um den Messer wurde nun so stark, dass meine Knöchel weiss wurden. Zu seiner ersten Gegenfrage schwieg ich und dachte selbst darüber nach. Ja, wieso habe ich ihn denn gerettet? Anders als er hatte ich sofort gewusst, dass er ein Mensch und somit mein natürlicher Feind war. Er hingegen könnte vielleicht immer noch glauben, dass ich eine von ihnen war. Ein ganz normaler Mensch. Leider konnte ich ihn nicht richtig einschätzen und blieb somit weiterhin auf der Hut.
Die Tatsache, dass sich der Fremde einfach so vorstellte ohne Grund und nach solch einer Situation erschien mir etwas bizarr und doch hatte es wohl seinen Sinn und Zeck erreicht, da sich meine Anspannung etwas löste. Immerhin gab es noch Menschen, die wirklich menschliches in sich hatten. Durch Filmen, unseren Wächtern und den Laboranten lernten wir, wie die sogenannten Homo sapiens lebte und handelten. Natürlich waren auch wir bis zu einem gewissen Grad Menschen und doch hatte man uns vieles dazu und auch einiges weggenommen. Das ich Angst verspürte, war einfach ein Systemfehler, da man es vermeiden wollte, das wir diese Gefühle hätten.
Ich atmete tief durch und antwortete Sam: "Mein Name ist Alarya A.-" Schnell biss ich mir auf die Zunge, um nicht auch noch meinen Code auszusprechen. Immer wenn wir in die Arena oder zu einem Test gingen, mussten wir uns mit Namen und Code vorstellen. "...Arkadia." Hoffentlich missverstand er mein Stocken als Unsicherheit. Daraufhin nuschelte ich leise: "Danke, deine Instinkte haben mir das Leben gerettet." War es denn eine gute Idee sich so mit den Feind zu unterhalten?

#13 RE: Greenwich von Sam Rosier 26.03.2020 12:12

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Und tatsächlich erwiderte die junge Frau meine Bekanntmachung und stellte sich ebenfalls vor. Auch, wenn ein Aussetzer dies kurz unterbrach. Und obwohl mein Argwohn daran zerrte, versuchte ich mir nichts weiter dabei zu denken. Alarya Arkadia, also. Hört man nicht oft. So nickte ich auf ihre Worte hin und wollte gerade etwas aus meiner linken Jackentasche herausholen, als Alarya etwas nuschelte. Erneut zog sich ein Lächeln über meine Lippen. "Dann muss ich dir wohl auch danken", erwiderte ich und holte schließlich eine marode Schachtel aus der Jacke heraus, aus der ich eine etwas zerknitterte Zigarette zog. Ich zückte sogleich mein Feuerzeug, nachdem ich die Packung wieder verschwinden gelassen hatte, und zündete die Zigarette an. "Ohne dich hätten mich die Viecher wohl ebenso zerfetzt wie ein Stück Papier." Mein Blick wanderte zu den leblosen Körpern der Wölfe, während ich an der Zigarette zog. In dieser Welt wollte jeder überleben. Meist vergaß man in diesem Punkt die Tiere, die früher nie groß als Gefahr angesehen wurden. Sie waren schon von Grund auf an das unabhängige Leben gewöhnt. Die meisten jedenfalls. Immer waren sie auf sich allein gestellt, mussten um ihr Leben kämpfen, während wir Menschen alles, was wir benötigten, auf dem Silbertablett serviert bekommen hatten. Widerwärtig, wenn man so darüber nachdachte. Doch nun hatte sich auch dies geändert. Was von uns früher kaum Beachtung und Respekt bekommen hatte, wurde nun zu einer weiteren Bedrohung.
Da kam mir das Gegacker der Hühner in den Sinn. Wenigstens hat sich nicht alles geändert. Nutztiere waren zurzeit wohl das Wertvollste. Nicht nur, weil sie Nahrung brachten, sondern weil sie nicht in Versuchung geraten würden, Menschen zu attackieren. Erneut spürte ich ein unangenehmes Rumoren im Magen, das ich zu ignorieren versuchte.
"Nun denn, Alarya", wandte wieder an die weißblonde Frau. "Du hast mich gerettet und ich dich. In diesem Sinne sind wir also quitt. Ich würde es somit sehr begrüßen, wenn du das da weglegen könntest." Schief lächelnd deutete ich auf ihr Messer, dass sie fest in ihrer Hand hielt. Nicht, dass es mich besonders nervös machen würde, jedoch wäre es dennoch um einiges angenehmer, wenn ich nicht die ganze Zeit das leichte Aufblitzen des scharfen Metalls sehen würde.

#14 RE: Greenwich von Alarya 26.03.2020 12:46

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Vielleicht mochte es für ihn eine gewohnte Geste sein und doch wurde ich leicht nervöser, als er etwas aus seiner Jackentasche holte. Glücklicherweise war es nur eine Zigarettenschachtel, weshalb ich mich etwas entspannte. Ich kannte diesen Geruch, da auch mein Wärter Zigaretten rauchte, doch ich mochte es überhaupt nicht. Ob es daran lag, dass wir diese Gerüche intensiver wahrnahmen als die Menschen oder es einfach mein eigener Geschmacksinn war, der es nicht mochte, wusste ich nicht. Ich hörte Sam schweigend zu und achtete einfach auf jede Bewegung die er machte, wohin sein Blick schweifte und was seine Hände taten. Selbst das kaum hörbare Rumoren seines Magens war mir nicht entgangen, wobei ich mich fragte, wie es eigentlich die Menschen taten um zu überleben. Sie waren nicht besser dran als die Hybride und mussten auch suchen und kämpfen, ausser wenn sie einer Gruppe beigetreten waren und somit die Aufgaben etwas verteilen konnten. Beim Gedanken an Gruppen fiel mir meine eigene ein, die vielleicht etwas gehört hatten und bereits auf der Suche waren nach mir. Und was ist mit Sam Rosier? Mein Misstrauen verstärkte sich bei diesem Gedanken, dass der Mann nicht allein sein konnte. Wer weiss, ob sie sich aufgeteilt hatten und Freunde von ihm auch hier im Barockbauwerk umher schlichen. Bei der Erwähnung meines Namens riss er mich aus meinen Gedanken und ich hörte ihm wieder aktiv zu. Ich wusste nicht so recht, ob ich dieser Bitte wirklich nachkommen wollte, da dies trotzdem eine Falle hätte sein können. Kurz konzentrierte ich mich und sah den Gang entlang. Ich konnte keine weitere Menschen riechen oder hören, so sah ich nun wieder zu ihm und lockerte leicht meinen Griff. "Sind wir den auch alleine?", fragte ich nun doch mit einem leichten Argwohn in der Stimme.

#15 RE: Greenwich von Sam Rosier 27.03.2020 09:09

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Alarya zögerte, doch das konnte ich ihr wohl kaum übel nehmen. Würde jemand von mir wollen, dass ich das Einzige, das mir einen gewissen Vorteil im Kampf verschaffen würde, weglegen solle, würde mein Misstrauen ohne weiteres anhalten. Doch was sollte schon passieren? Solange die junge Frau nicht zuerst einen Versuch wagen würde, mir an die Kehle zu gehen, hatte sie auch mein Vertrauen, keine bösen Absichten zu hegen. Problem war, dass sie das wahrscheinlich nicht wusste. Wie auch? Ich war ein Fremder für sie, so wie sie für mich. Und auch wenn ich ihr das mit Worten zu erklären versucht hätte, würde sie mir sicherlich nicht hundertprozentig glauben.
Doch ihrer Frage nach war sie wohl in der Lage, es in Betracht zu ziehen, das Messer wegzulegen. "Keine Sorge, ich bin alleine hier", meinte ich im ruhigen Ton, auch wenn es mir nun doch ein etwas unwohles Gefühl bereitete, es so offen zuzugeben. "Wenn du mir dasselbe versprechen kannst." Einem Hinterhalt zu entfliehen, war gar nicht so leicht. Das wusste ich zu genau, weshalb mir die Frage, ob Alarya alleine hier war, nun als Hauptaugenmerk im Kopf herumschwirrte. Doch wäre man ihr nicht zur Hilfe gekommen, bei dem Angriff der Wölfe? Hätten mögliche Verbündete sie nicht aus der Situation befreit? Man hätte sie sicherlich nicht im Stich gelassen. Es sei denn, ihre möglichen Kompanen waren auf Streifzügen. Doch sie hier alleine zu lassen, wäre doch viel zu riskant.
Und wieder stellte sich mir die Frage: War sie nun Mensch oder Hybrid? Und was, wenn sie sich dieselbe Frage stellte? In dieser Welt konnte man sich bei keinem Punkt mehr sicher sein. Doch wenn sie ein Hybrid wäre, wäre sie doch mit außergewöhnlichen Fähigkeiten gesegnet worden. Hätte sie mich dann mithilfe dessen nicht schon längst umgebracht?
Dieses ständige Hin und Her bereitete mir allmählich echte Kopfschmerzen. Oder es lag an der Zigarette, die meine Sinne benebelte. Ich seufzte leise, ehe ich jegliche Gedanken über Bord schmiss und mir versprach, mich nicht weiter durch blanke Spekulationen verrückt zu machen. Im Laufe der Zeit würde ich mit Sicherheit schon erfahren, was Wahrheit und was Tücke war. Doch zuallererst stand das Weglegen des scharfen Messers wohl im Mittelpunkt.

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